
Sonntag der 21.07.2024 lud in Kelheim dazu ein, durch die Stadt zu flanieren, im Café zu sitzen oder ein Eis zu essen. Der ein oder andere wunderte sich vielleicht beim sonntäglichen Ausflug über die bunten Schmetterlinge, welche die Straße zierten.
Dabei handelte es sich nicht, wie von einer entrüsteten Passantin vermutet, um eine Sachbeschädigung, Vandalismus oder Ähnliches. Ganz im Gegenteil! Die Schmetterlinge aus Sprühkreide waren Teil einer Aktion der Caritas Fachambulanz für Suchtprobleme in Kelheim zum jährlich stattfindenden internationalen Gedenktag für verstorbene Drogengebrauchende, dessen Symbol die bunten Schmetterlinge sind.
Unter dem Motto: "Konsumsicherheit für alle(s)" wollten die Aktionisten nicht nur den verstorbenen Drogengebrauchenden gedenken, sondern auch für mehr Sensibilität und Akzeptanz in der Gesellschaft sorgen. Anstatt Menschen für ihren Konsum zu verurteilen, soll es darum gehen, einen sicheren Konsum zu ermöglichen, um dadurch weitere Todesfälle zu verhindern.
Dafür bedarf es Räume, in denen sich die Konsumenten Drogen injizieren oder rauchen können. Durch die Vergabe von sauberem Drogenbesteck kann das Risiko einer HIV- oder Hepatitis C-Infektion minimiert werden. Des Weiteren wird ein Drug-Checking in Drogenkonsumräumen oder auf Festivals gefordert. Trotz der jahrelangen Verbotspolitik sind heute mehr illegale Substanzen denn je auf dem Markt. Diese werden teilweise zu geringen Preisen und meist in unbekannter Zusammensetzung verkauft. Sehr stark variierende Wirkstoffgehälter erhöhen jedoch das Risiko einer Überdosierung. Beim Drug-Checking werden die Drogen auf ihre Inhaltsstoffe untersucht. Das Angebot soll Todes- und Notfälle verhindern sowie Beratungsangebote ermöglichen.
Den ersten bundesweiten Drogentotengedenktag gab es bereits 1998 und wurde von einer Mutter initiiert, deren Sohn an den Folgen seines Drogenkonsums starb.
Ein Blick auf die Statistik macht deutlich, dass das Thema nichts von seiner Relevanz verloren hat: Laut dem Statista Research Department starben im Jahr 2023 in Deutschland 2.227 Menschen im Zusammenhang mit Drogenkonsum, das sind mehr als fünf Personen am Tag! Die Zahl war seit 2000 nicht mehr so hoch wie derzeit und hat sich seit 2012 mehr als verdoppelt.
Statistiken führen oft dazu, dass man die Menschen hinter den Zahlen vergisst. Personen jeglichen Alters und jeglicher Herkunft, mit ihren ganz individuellen Geschichten. Geliebte Menschen, welche Angehörige haben, die sie schmerzlich vermissen und deren Tod unter Umständen hätte verhindert werden können. Im Vorfeld zum Aktionstag wurden von den Mitarbeitenden der Caritas Fachambulanz für Suchtprobleme nicht nur Schmetterlinge auf die Straße gemalt, sondern auch andere Organisationen beteiligten sich mit Plakaten und weiteren Informationen, wie zum Beispiel im "Schlaufenster" des Weltladens, indem sich auch eine kleine Gedenkstätte befindet.